I 444 VEB Chemiewerk Coswig, 1933-1993 (Bestand)[Location: Dessau]

Archive plan context


Identifikation

Signatur:I 444
Benutzungsort:Dessau
Benutzbarkeit:eingeschränkt benutzbar

Form-/Inhaltsangaben

Hinweis:Der Bestand enthält Archivgut, das Schutzfristen gemäß § 10 Abs. 3 ArchG LSA unterliegt und bis zu deren Ablauf nur im Wege einer Schutzfristenverkürzung gemäß § 10 Abs. 4 ArchG LSA oder eines Informationszuganges gemäß § 10 Abs. 4a ArchG LSA zugänglich ist.
Titel:VEB Chemiewerk Coswig
Laufzeit/Datum (detailliert):1933, 1948 - 1993
Laufmeter:4.30
Registraturbildner:Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ging der VEB Chemiewerk Coswig aus der ehemaligen WASAG (Westfälisch-Anhaltisch-Sprengstoff AG) hervor. Deren Coswiger Werk gehörte zur russischen Besatzungszone. Die WASAG-Chemie fiel durch ihre Bindungen mit der IG Farben unter das Kontrollratsgesetz Nr. 9. Der Betrieb wurde aufgrund des SMAD-Befehls 29 als unter Sequester stehend erklärt und unter dem Namen „Fertilia“ Chemische Fabriken Coswig-Anhalt, der Verfügungsgewalt des Präsidenten der Provinz Sachsen unterstellt. Die Firma wurde enteignet, der VVB (Z) Alcid angeschlossen und am 1. März 1949 vom Sowjetischen Kontrollratsoffizier der Hauptverwaltung Chemie der Deutschen Wirtschaftskommission übergeben. Trotz einer Teildemontage durch die russischen Besatzer konnte im Oktober 1945 die Verarbeitung von Restbeständen an Rohphosphat wieder aufgenommen werden, ruhte jedoch zeitweise durch Rohstoffmangel. Künftig wurde Rohphosphat hauptsächlich von der russischen Halbinsel Kola bezogen für die Düngemittelproduktion der DDR-Landwirtschaft. 1953 wurde zusätzlich ein Gipsschwefelsäurewerk gebaut, dem damals weltgrößten, zur Produktion der Grundchemikalie Schwefelsäure in einer Anhydritschwefelsäureanlage. Als Nebenprodukt fiel dabei der Baustoff Portlandzement (nach dem Müller-Kühne-Verfahren) an.
Zur Anlieferung der Rohstoffe wurde der nahe gelegene Elbehafen genutzt und zum Transport der Produkte der werkseigene Gleisanschluss.
Zum Betrieb gehörte eine Betriebsberufsschule mit Sporthalle.
Der VEB Chemiewerk Coswig hatte weitere Betriebsteile:
In Rüdersdorf produzierte man bis Ende 1999 das Futterphosphat "Rükana" (hydrothermische Entfluorierung eines Gemischs aus Rohphosphat, Phosphorsäure und Soda). Von rund 500 Beschäftigten waren nach der Ausgliederung zum 1. Juli 1990 noch zwölf angestellt, bis Anfang 2000 ein Insolvenzverfahren beantragt wurde. Die Hinterlassenschaften des Chemiewerks führten im gleichen Jahr zu einem Umweltskandal. Mittlerweile haben die Musikindustrie zum Dreh von Videos und die Filmindustrie das verlassene Betriebsgelände als Industriekulisse für sich entdeckt.
In Salzwedel wurden seit der Gründung als VEB zum 22. Juni 1948 (seit 1838 Chemiefabrik Gottfried Neukranz) Superphosphat, Humustan, Aluminiumfluorid produziert. In den Jahren 1964-67 investierte die DDR hier in eine 50-Millionen-Superphosphatanlage. Mit der politischen Wende folgte die Schließung der Betriebes nach 1990.
In Draschwitz (bei Zeitz) wurde Dünger (Combiflor, Combi spezial, Combi-mikro, Combifix, Combivit) für Kleinverbraucher hergestellt. Ab 1970 war die Produtkionsstätte Betriebsteil des Chemiewerkes Coswig. Die Betriebsanlagen existieren nicht mehr.
Im Betriebsteil Steudnitz produzierte man neben Phosphatdünger auch Plasteregenerate (Folien, Blumenkästen und -töpfe). Das 1897 gegründete Unternehmen Kalk- und Zementwerk Dornburg-Steudnitz wurde am 10. Mai 1947 landeseigener Betrieb und ab 1948 VEB Kalk- und Zementwerk Steudnitz. (siehe auch: http://www.archive-in-thueringen.de/bestand/view/id/19886/tektonik/2675).
Zeitweise gehörte außerdem der Betriebsteil Oranienburg dazu.
Der Betrieb mit seinen ca. 3.000 Beschäftigten wurde 1979 in das neu gebildete VEB Kombinat Agrochemie Piesteritz integriert.
Nach 1990 wurde ein kleiner Betriebsteil als Anhaltische Düngemittelfabrik (ADB) mit ca. 35 Mitarbeitern weitergeführt.

Quelle: „Beiträge zur Geschichte der Stadt Coswig-Anhalt“. Rat der Stadt Coswig. 1962; Werbeschrift des VEB Kombinat Agrochemie Piesteritz. 1987; Sign. LASA I 444, Nr. 29, 30
Bestandsinformationen:2011 kam es zu einer Aktenübergabe durch die heutige Nachfolgefirmierung ADB Coswig. Die Geschichte des VEB-Betriebes wird von 1951 bis 1991 an ausgewählten Beispielen dokumentiert: Umweltbelastung und Messungen etc. im Zuge der Produktion, Produktionsspektrum, Forschung, Betriebsgelände und Gebäude.
Vor- und Nachfolgebestände: I 417 und 443
 

Related units of description

Related units of description:siehe auch (1939-1945):
I 417 Westfälisch-Anhaltische Sprengstoff Aktiengesellschaft (WASAG) Coswig, 1914-1947 (Bestand)

siehe auch (1982-1998):
I 443 ADB (Anhaltische Düngemittel und Baustoff) GmbH Coswig, 1982-1998 (Bestand)
 

URL for this unit of description

URL:https://recherche.landesarchiv.sachsen-anhalt.de/Query/detail.aspx?ID=1700573
 
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