A 1 Erzstift Magdeburg. Auswärtige Angelegenheiten, 0961-1756 (Bestand)[Location: Magdeburg]

Archive plan context

 

Information on identification

Ref. code:A 1
Benutzungsort:Magdeburg
 

Form-/Inhaltsangaben

Title:Erzstift Magdeburg. Auswärtige Angelegenheiten
Period/Date (detailed):(901) 1375 - 1756
Running meters:30.00
Finding aids:Behördenfindbuch von ca. 1829. 2015 neues Findbuch (online recherchierbar).
Registraturbildner:Erzstiftisch-magdeburgische Kanzlei und Kammer, Archiv des Domkapitels zu Magdeburg.

Die erzbischöfliche Zentralverwaltung, die zunächst wohl weitgehend von Geistlichen geführt wurde, ging im 12. Jahrhundert an weltliche Lehnsleute über. Es werden die auch sonst üblichen vier großen Ministerialen-Hofämter (Marschall, Truchseß, Kämmerer und Schenk) genannt, ohne dass die Funktionen der Amtsinhaber voll erkennbar sind.

Zu gleicher Zeit erscheint eine Kanzlei mit einem, späteren mehreren, als Notare bezeichneten Schreibern. Auch eine Ratsversammlung der Ministerialen, die zu den Regierungsakten des Erzbischofs ihren Konsens gab, begann sich zu bilden. Die festere Stellung der Territorialherren und die beginnende Abrundung ihrer Besitzungen führte im 13. Jahrhundert zum Übergang von diesem Lehnsbeamtentum, das durch sein Streben nach Vererbung der Ämter hinderlich wurde, zu einem gesetzten Beamtentum neuerer Art. Dem Rat gehörte jetzt eine Reihe geistlicher und weltlicher Mitglieder an, die zunächst nur von Fall zu Fall herangezogen wurden. An Beamten treten Hofmeister, Marschall und Kammermeister hervor, während für die Landesverteidigung der Stiftshauptmann seit dem 14. Jahrhundert zuständig wird. An der Spitze der mit mehreren Schreibern besetzten Kanzlei stand der Protonotar, der seit 1392 als Kanzler bezeichnet wird.

Eine straffere Organisation der im Entstehen begriffenen Landesbehörde wurde durch die häufige Abwesenheit des Landesherrn nötig. Deshalb erließ Kardinal Albrecht 1538 eine Kanzleiordnung, nach der sich die Regierung in seiner Abwesenheit aus Koadjutor (als Statthalter), Kanzler, Marschall, Kammermeister, Juristen und je zwei Vertretern des Domkapitels und der Stände zusammensetzen sollte. Im Bedarfsfall konnten noch weitere Räte von Haus aus herangezogen werden. Sogar eine gewisse Aufteilung der Aufgabengebiete der Regierung, die aus Hof-, Finanz-, Justiz- und allgemeinen Landesangelegenheiten bestanden, lässt die Ordnung bereits erkennen. Trotz mancher Schwankungen in deren Bestand, v. a. während des 30-jährigen Krieges, hat sich diese Behörde erhalten können und ging 1680 in die brandenburgische Regierung des Herzogtums Magdeburg über. Gehemmt wurde die Tätigkeit freilich durch den Kondominat des Domkapitels, das mit Hilfe der Wahlkapitulationen immer mehr Einfluss auf die Geschäfte gewann. Auch die Stände entwickelten hauptsächlich auf finanziellem Gebiet eine eigene Verwaltungstätigkeit.

1657/58 wurden die Domänen- und Finanzangelegenheiten einer kollegial organisierten Amtskammer übergeben, der auch noch der Präsident der Regierung und zwei ihrer Räte mit angehörten. Dagegen kam es in erzstiftischer Zeit trotz mehrmaliger Ansätze (1582, 1632) nicht zur Bildung eines selbstständigen Konsistoriums. Dieses verhinderten die über ihre Patronatsrechte wachenden Stände und das Domkapitel, das wesentliche Teile der Kirchen- und Schulangelegenheiten an sich gezogen hatte.
Bestandsinformationen:Das erzstiftische Archiv lässt sich bereits 1020 nachweisen. Damals hatte noch der Erzbischof das Verfügungsrecht über die ungeteilten Bestände.

Im 14. Jh. war das Archiv im Dom (Zither) untergebracht und in die Obhut des Domkapitels übergegangen (siehe Bestandsinformationen A 3). Neben diesem eigentlichen Urkundenarchiv bildete sich bei der erzbischöflichen Kanzlei ein eigenes Verwaltungs(Akten)-Archiv heraus. Da die Domherren darauf hinwirkten, dass die Urkunden, für die der Konsens des Domkapitels notwendig war, in das Kapitelsarchiv gelangten, blieben nur kleinere Urkundenbestände im erzbischöflichen Archiv. Doch sind später auch einzelne Urkundengruppen, wie Papst- und Kaiserurkunden, vom Domarchiv in das erzbischöfliche Archiv verlagert worden.

Dieses auch als Kanzleiarchiv zu bezeichnende erzbischöfliche Archiv befand sich ursprünglich in Magdeburg. Im letzten Viertel des 15. Jh. war es mit der Kanzlei auf dem Giebichenstein und später in der Moritzburg in Halle. Dorthin wurden nach der Reformation auch die Urkunden mehrere aufgelöster Stifter und Klöster aus Halle und Umgebung übernommen (Neues Stift, Neuwerkskloster, St. Moritzkloster, Deutschordenshaus, St. Kundigunde, Servitenkloster zu Halle, Klause beim Giebichenstein, Gottesgnaden, St. Nicolai zu Aken, Teile der Archive von Marienzell bei Querfurt, Brehna und Jüterbog). Später erfuhr es v. a. durch die Ereignisse des 30-jährigen Krieges viele Beschädigungen, Entfremdungen und Verluste.

1714 wurde der Bestand, der inzwischen durch Akten anderer landesherrlicher Behörden an Umfang gewonnen hatte, nach Magdeburg zurückgeführt und der Regierung übergeben. Er gelangte dann an das Oberlandesgericht, von wo er 1822 an das Provinzialarchiv kam.

Der schlecht geordnete und schlecht erhaltene Bestand, der außer Urkunden die ungesonderten Akten der verschiedenen erzbischöflichen Behörden enthielt, wurde ab 1823 als Territorialprovenienz behandelt und in zwei Reposituren für Auswärtige und Innere Angelegenheiten geteilt. Die Urkunden wurden der Urkundenabteilung (v. a. U 1 und U 2) einverleibt und die Kopiare später der Tektonikgruppe Cop. zugefügt. Aus dem Archiv des Domkapitels wurden die Akten, die die eigentlichen Landesangelegenheiten betreffen, in den vorliegenden Bestand überführt (z. B. die Dokumente zum Westfälischen Frieden). Zudem wurden alle Akten mit einer Laufzeit vor 1680 aus der Überlieferung der brandenburg-preußischen Landesregierung zu Magdeburg (A 5) herausgelöst und den Beständen A 1 und A 2 zugeordnet. Teilweise wurden bei der Ordnung des Bestandes aus losen Stücken (aufgelöste Serien?) neue Akteneinheiten gebildet.

Im Behördenfindbuch aus dem Jahr 1829 wurden einleitend folgende Registraturbildner vermerkt: "Aus den Übernahmen des ehemaligen Erzstiftischen Archivs, den Registraturen der ehemaligen königlichen Regierung und Cammer des Herzogthums Magdeburg sowie aus dem Archiv des Domcapitels zu Magdeburg zusammengestellt."

Des Weiteren ist anzumerken, dass mehrfach vor und nach Einrichtung des Provinzialarchivs 1823 z. T. umfangreiche Aktenabgaben nach Berlin erfolgten. Insbesondere 1732 waren auf königliche Anordnung Akten betr. die Friedensverhandlungen von Münster und Osnabrück sowie die Reichstage von Regensburg von der Magdeburger Regierung nach Berlin zu übersenden (s. A 5, Nr. 1327). Diese Akten wurden durch das GStA zu Berlin 1887 zurückgegeben (Acc.-Nr. 4/1887), ebenso andere Akten zu unterschiedlichen Zeitpunkte. Einzelne Akten verblieben jedoch in Berlin. Nach der umfangreichen Abgabe von 1887 wurde auch die Bestandsordnung geändert: Die bisherigen Gliederungsgruppen XXI (Osnabrück) und XXII (RT Regensburg) wurden ans Bestandsende umgruppiert (neu: XXVIII und XXIX) und nach der Einordnung der aus Berlin abgegebenen Akten eine Neunummerierung innerhalb dieser Gliederungsgruppen durchgeführt.

Die früheren Signaturen des Bestandes lauteten: Erzstift bzw. Rep. A I und später Rep. A 1.
Zusatzinformationen:Vgl. dazu die immer noch instruktive Einleitung in: Gesamtübersicht über die Bestände des Landeshauptarchivs Magdeburg, Band 1, hg. v. Hanns Gringmuth-Dallmer, bearb. v. Berent Schwineköper (Quellen zur Geschichte Sachsen-Anhalts, Bd. 1), Halle 1954, S. 70 f.
 

Related units of description

Related units of description:siehe auch:
U 1 Erzstift Magdeburg, 0937-1840 (Bestand)

siehe auch:
U 2 Erzstift Magdeburg, 0974-1816 (Bestand)

siehe auch:
A 2 Erzstift Magdeburg. Innere Landesverwaltung, 1294-1795 (Bestand)

siehe auch:
A 6 Landstände des Erzstifts/Herzogtums Magdeburg, 1309-1830 (Bestand)

siehe auch:
A 3 Domkapitel zu Magdeburg, 1158-1837 (Bestand)

siehe auch:
Cop. Erzbischöfe und Herzöge von Magdeburg, auch Erzstift und Herzogtum allgemein (Gliederungsgruppe)

siehe auch:
Cop. Domkapitel zu Magdeburg (Gliederungsgruppe)
 

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